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Meine Rede vom 03.09.2026 zum Thema “Hessen setzt Schwerpunkte in der Resilienz”

Sehr geehrte*r Präsident*in, sehr geehrte Kolleg*innen,

ich glaube, wir müssen alle zugeben, dass wir uns viel zu lange viel zu sicher hier in Deutschland gefühlt haben. Seien wir ehrlich, Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, Naturkatastrophen – das alles hatten wir als akute Bedrohungslage nicht wirklich auf dem Schirm.

Unsere Sicherheitsbehörden, ja. Aber in der breiten Bevölkerung schienen das doch Gefahren wie von einem anderen Planeten. Aber allein die Anschläge auf Einrichtungen der kritischen Infrastruktur in dieser Woche wirken wie eine weitere Eskalation einer Bedrohungslage, die seit Jahren existiert. Wir müssen endlich aus unserem Dornröschenschlaf aufwachen!

Im Bereich der Cyberangriffe stellte der Branchenverband bitkom schon 2024 fest, dass Deutschland jeden Tag tausendfach angegriffen wird. Die Angriffe erfolgen durch Cyberkriminelle aber eben zunehmend auch von staatlich gelenkten Akteuren. Insbesondere Russland will unsere Stromversorgung lahmlegen und Chaos stiften. Russland bekämpft systematisch unsere freie Gesellschaft. Es will uns spalten und unser Gemeinwesen zerstören.

Diese Angriffe zielen aber auch unser wirtschaftliches Fundament: Im Jahr 2025 konnte man dann vom gleichen Verband im „Wirtschaftsbericht 2025“ lesen: „Die Frage ist nicht, ob Unternehmen angegriffen werden, sondern wann – und ob sie diese Angriffe erfolgreich abwehren können“.

Aber Resilienz ist eben nicht nur im digitalen Raum nötig. Drohnenüberflüge bei kritischer Infrastruktur, Anschläge auf deutschem Boden wie in Jänschwalde oder Bergheim aber auch der Hitze- und Glutsommer  in diesem Jahr setzen das Thema Resilienz ganz weit oben auf die Tagesordnung.

Die Zusammenarbeit mit dem Handelsverband im Rahmen der Resilienzwoche 2026 möchte ich dabei ausdrücklich loben und da dürfen wir uns alle auch mal sprichwörtlich an die eigene Nase fassen.

Die Checklisten des Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt es seit langem. Sie beinhalten Hinweise für die Vorbereitung auf Notfälle und Katastrophen. Für die Bevorratung von Essen und Trinken, für die richtige Hausapotheke aber auch zum Thema Licht, Wärme und Kommunikation. Diese Liste aus dem Netz in das Bewusstsein und den Alltag der Menschen zu bringen ist wichtig und ich hoffe, man erreicht möglichst viele Menschen in der Zusammenarbeit.

Wir alle müssen Resilienz ernst nehmen, denn neben der staatlichen Verantwortung für den Schutz der Bevölkerung, brauchen wir eben auch mehr Selbstverantwortung aller Bürgerinnen und Bürger.

Sehr geehrte Kolleg*innen,

in der Ankündigung zur Resilienzwoche sind folgende Szenarien explizit erwähnt: „Sabotage, Spionage, Cyberangriffe, Naturkatastrophen oder Energieengpässe“. Versteht man Resilienz nach seiner Definition als „Widerstandskraft, Krisen, Stress oder schwere Schicksalsschläge ohne dauerhafte Schäden zu überstehen“ – so kommt man beim Thema dauerhafte Schäden eigentlich nicht um die Auswirkungen des Klimawandels vorbei.

Eigentlich, denn da klafft in der hessischen Strategie aus unserer Sicht doch eine große Lücke. Betrachtet man das parallel laufende Vorhaben, die Klimaziele aufzuweichen, muss man sogar feststellen, dass hier die Resilienz aktiv geschwächt wird.

So stellte ja auch der Städtetag in den Beratungen fest, dass die Verantwortung für das Erreichen der Klimaziele und vor allem auch für Klimapassung und Hitzeschutz an die Kommunalpolitik weitergereicht wird, ohne diese dafür finanziell und strukturell auszustatten.

Schon in der Resilienzstrategie aus dem Jahr 2023, die ja auch Basis des KOMPASS Programmes Resilienz ist, werden die Hitzeperioden als Herausforderung angesprochen. Aber nach dem dröhnenden Schweigen der Landesregierung den ganzen Sommer über ist das Thema auch in der Resilienzwoche quasi nicht existent.

Nur vom krampfhaft sich die Augen zuhalten geht der Klimawandel nicht weg. Klimaschutz und Klimaanpassung muss ein Schwerpunkt der Resilienz-Strategie der hessischen Landesregierung werden.

Sehr geehrte Kolleg*innen,

Schließen möchte ich gerne positiv und mit einem großen Dankeschön. Denn Resilienz wird schon heute von vielen Menschen in Hessen täglich gelebt. Bei den Feuerwehren, dem THW, der Polizei, dem DRK und vielen vielen anderen. Hauptberuflich aber eben auch sehr oft im Ehrenamt. Wie jedes Ehrenamt ist ihre Arbeit unersetzlich und unbezahlbar – eine dauerhafte finanzielle und strukturelle Unterstützung ist trotzdem notwendig und sollte in allen Bereichen der Resilienz von der Politik gewährleistet werden.

Vielen Dank

Es gilt das gesprochene Wort. Die Rede in Wort und Bild finden Sie hier.